Leckerlis für Raubmilben: Nicht alle Pollen eignen sich als Ersatznahrung  [20.04.17]

Auch zu wenig Schädlinge können zum Problem werden: Raubmilben sind im biologischen Pflanzenschutz vor allem im Gewächshaus natürliche Gegenspieler von Spinnmilben, Thripsen und weißen Fliegen. Werden diese Leckerbissen jedoch knapp, verspeisen die Raubmilben auch gern mal ihre Artgenossen.

Foto: Universität Hohenheim / Oskar Eyb


Um das zu verhindern, muss sich der Mensch etwas einfallen lassen und den Nützlingen zum Beispiel Pollen als Ersatznahrung anbieten. Zwei Humboldt-Projekte zeigen nun, dass sich nicht alle Pollenarten dafür gleichermaßen eignen – und dass die Raubmilben-Damen deutlich anspruchsvoller sind als die Herren.

Raubmilbe Amblyseius swirskii liebt Eiche und Edelkastanie

Die Raubmilbe Amblyseius swirskii ist das Untersuchungsobjekt von Maria-Lena Hug und Elena Manapova. Sie beobachten, wie sich die Larven entwickeln und wie das Geschlechterverhältnis am Ende aussieht, wenn man den Tieren eine der vier Versuchspollen-Arten anbietet: Auf der Speisekarten stehen Pfingstrose, Edelkastanie, Sonnenblume und Eiche.

Humboldt reloaded – Wissenschaft von Anfang an

Das preisgekrönte Projekt der Uni Hohenheim will Studierende durch forschungsnahes Lernen bereits im Bachelorstudium für die Wissenschaft begeistern. Die Studierenden bearbeiten Forschungsfragen in kleinen Teams und werden dabei optimal betreut.


In Versuchsgefäßen, die in Kompartimente unterteilt sind, ziehen die Nachwuchs-Forscherinnen die Raubmilben im Klimaschrank an. In jedes Kompartiment setzen sie 5 frisch geschlüpfte Larven und versorgen sie mit dem jeweiligen Versuchspollen und frischem Wasser. Täglich dokumentieren sie die Entwicklung der Versuchstiere bis zum erwachsenen Tier. Die Weibchen brauchen, wie sich zeigte, meist etwas länger um sich vollständig zu entwickeln, da sie einen höheren Nährstoffbedarf für die Eierproduktion haben.

Das Ergebnis: Die Entwicklungsdauer der Larven hängt deutlich von der Pollenart ab. Die Pollen von Eichen und Edelkastanien schneiden besonders gut ab. Mit ihnen benötigt A. swirskii durchschnittlich nur 5,4 Tage für die Entwicklung, unabhängig vom Geschlecht. Mit Pfingstrosen-Pollen beobachten die Studentinnen eine Entwicklungsdauer von 6,66 Tagen bei Weibchen und 5,92 Tagen bei Männchen, und mit Sonnenblumenpollen sogar mehr als 10 Tage.

Wer also A. swirskii mit Pollen verwöhnen möchte, sollte diese keinesfalls von der Sonnenblume nehmen. Eiche, Edelkastanie und sogar Pfingstrose eignen sich deutlich besser für den Milben-Nachwuchs.
 
Raubmilbe Neoseiulus cucumeris bevorzugt Pfingstrose

Ein analoges Experiment führen die Studierenden Yelizaveta Pinayeva, Bipin Khanal, Delyana Marinova und Aziza Saidova durch. Ihr Testobjekt ist die Raubmilbe Neoseiulus cucumeris, der sie fünf verschiedene Pollen als Nahrung anbieten.

Auch in diesem Projekt gibt es Sieger-Pollen: Mit Pfingstrose oder Holunder als Nahrung entwickeln sich die Larven am schnellsten. Männchen benötigten mit Pfingstrose im Durchschnitt 4,5, Weibchen 4,9 Tage. Holunder ließ die Jungs in 4,33 und die Mädels in 4,96 Tagen heranreifen.

Text: Elsner

Humboldt-Projekt: Entwicklungsbiologie der Raubmilbe Amblyseius swirskii
Studierende: Maria-Lena Hug, Elena Manapova
Projektbetreuerin: Irina Goleva
Laufzeit: 26.10.2015 – 30.09.2016

Humboldt-Projekt: Effekt von Pollen als alternative Nahrung für die Entwicklung von Raubmilbe Neoseiulus cucumeris
Studierende: Yelizaveta Pinayeva, Bipin Khanal, Delyana Marinova, Aziza Saidova
Projektbetreuerin: Irina Goleva
Laufzeit: 26.10.2015 – 30.09.2016


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